GAG1

Freiwillige Feuerwehr Viernau

rauchmelder
Notruf3

letzte Änderung:
10.04.2017

In der Heimatgeschichte geblättert
Ein Beitrag zur Viernauer Industriegeschichte des Jahres 1934

Vor 65 Jahren vernichtete ein Großfeuer die im Jahre 1896 gegründete Metallwarenfabrik Richard Henkel (aufgearbeitet aus archivalischen Quellen).

In Viernau hatte man sich auf den Totensonntag vorbereitet, der Friede und die Ruhe der Nacht lagen in den Straßen des Ortes. Jedoch in diesen Nachtstunden vom Sonnabend zum Sonntag den 25. November 1934 wurde die größte Metallwarenfabrik unseres Ortes Opfer eines mit ungeheurer Gewalt um sich greifenden Flammenmeeres. Das Fabrikgebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder und vernichtete den gesamten Maschinenpark.

Gerade in einer Zeit des wieder beginnenden wirtschaftlichen Aufschwunges sowie steigender Beschäftigungszahlen im Orte, die Firma Richard Henkel hatte zu diesem Zeitpunkt 100 Beschäftigte und gefüllte Auftragsbücher, kam dieses Großfeuer so kurz vor Weihnachten wie ein allgemeines Unheil über unseren Heimatort.

Um 2 Uhr morgens schlug plötzlich eine flammende Feuersäule gegen den nächtlichen Himmel unseres Ortes. Das Feuerhorn riss die Bewohner aus dem Schlaf, der Schreckensruf “Feuer ! Feuer !” hallte durch die nächtlichen Straßen, die Fabriksirenen der Betriebe Menz, Henkel und Ullmer schrillten durch die Nacht. Es brannte in der Henkel´schen Fabrik !

Mit ihren 2 Handdruckspritzen war die Viernauer Feuerwehr unter ihrem Oberbrandmeister Christian Dähn sofort zur Stelle. Ihr Depot war in unmittelbarer Nähe des Brandherdes. Jedoch zur intensiven Brandbekämpfung diesen Ausmaßes waren die beiden Handdruckspritzen zu schwach. Deshalb hatte man sofort die motorisierten Wehren aus Steinbach-Hallenberg, Schmalkalden und Suhl alarmiert, die schon 30 Minuten später zur Hilfeleistung am Brandherd eintrafen. Eine Radfahrerabteilung des “Freiwilligen Arbeitsdienstes” aus Steinbach-Hallenberg die ebenfalls zur Hilfeleistung eintraf, sowie die politische Organisationen unseres Ortes, sperrten die Unglücksstelle im weiten Umkreis ab. Es hatten sich inzwischen bereits viele Neugierige – nicht nur aus Viernau – trotz der Nachtstunden eingefunden und behinderten die Löscharbeiten der Wehren.

Aus 14 Schlauchleitungen wurde das Feuer bekämpft, die Suhler Wehr hatte die zur Zeit modernste Motorspritze bei ihrem ersten Einsatz dabei. Die Flammen fanden in der Lackiererei reichlich Nahrung, so dass in wenigen Minuten der riesige Dachstuhl in einer Länge von 50 – 60 Metern vom Feuer erfasst war.

Durch die Motorspritzen der Wehren aus Suhl, Steinbach-Hallenberg und Schmalkalden konnte die Drechslerei und das Maschinenhaus mit der Dampfkesselanlage gerettet werden. Auch wurde ein Übergreifen des Feuers auf die in unmittelbarer Nähe stehenden Wohnhäuser verhindert. Inzwischen war auch der Landrat Sethe d.Kr. Schleusingen und andere Behörden am Brandherd eingetroffen, um an Ort und Stelle Maßnahmen einzuleiten und Entscheidungen zu treffen.

Gegen 8 Uhr früh war das Feuer gebannt und die auswärtigen Wehren konnten wieder abrücken. Die Viernauer Feuerwehr übernahm den Rest der Löscharbeiten, ebenso die Brandwache. Gegen 11 Uhr vormittags wurden die beiden freistehenden Schornsteine eingelegt, sie waren eine große Gefahrenquelle geworden.

Von besonderer Interesse war der Beschluss, mit den sofortigen Wiederaufbau des Werkes zu beginnen, um die vom Unheil betroffenen Arbeiter wieder in Lohn zu bringen, denn gerade unser Heimatort Viernau hatte unter der Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit besonders schwer zu leiden. Die Fabrikation des Werkes bestand hauptsächlich in der Fertigung von Bohrwinden, Kleinsägen, Laubsägebogen, Spaten u. a., es handelte sich um die im Handel bekannten typischen “Schmalkalder Artikel”. Ein Teil der in der Firma beschäftigte Arbeiter wurde zu Aufräumungsarbeiten und beim sofortigen Wiederaufbau eingesetzt.

Unser Heimatort Viernau war damals in den letzten zurückliegenden Jahren mehrmals von Bränden heimgesucht worden, besonders sei an den Kirchturmbrand im Jahre 1929 erinnert. Damals und auch bei dem eben geschilderten Fabrikbrand standen der Viernauer Feuerwehr nur die 2 Handdruckspritzen zur Verfügung und man war bei größeren Feuer auf die nächsterreichbaren Wehren angewiesen. Die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde hatte bisher einen Ankauf einer Motorspritze verhindert. Auf Grund dieses Brandes mit großem volkswirtschaftlichen Schaden wurde der Ankauf forciert und der Viernauer Feuerwehr am 2. April 1935 endlich eine Kleinmotorspritze übergeben und in Dienst gestellt. Sie brachte eine Wassermenge von 800 Liter pro Minute auf einen möglichen Brandherd und erhöhte beträchtlich die Einsatzbereitschaft unserer Viernauer Ortsfeuerwehr.

Willimar Jung Nachdruck oder kopieren – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung.
Wiesenstraße 12
98547 Viernau
Tel.: 036847 - 32750